Die „Content-Villa“

Val d’Orcia Toscana © Armin Muratovic
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30. September 2021
 

Wie eine Woche in Portugal im Herbst zum Frühling für ein Fotografenkollektiv wurde

21. November 2021, 13:45 Uhr. Ich befinde mich auf Flug FR 7291, der gerade in Wien-Schwechat abhebt und mich nach Portugal bringt. Ein letztes Mal noch ist ungewiss, was mich und eine kleine Gruppe von Foto- und Videografen in der folgenden Woche erwarten wird.

Im Flugzeug lasse ich nochmal die vergangenen Monate Revue passieren und erinnere mich mit einem Schmunzeln, wie es zu diesem Abenteuer gekommen ist. Zu Beginn des Jahres teilte mir meine bisherige Partnerin mit, das gemeinsame Studio verlassen zu wollen. Nach einigem Zögern entschied ich mich, ihren Platz neu auszuschreiben. Gemeldet hat sich Philipp, der mein neuer Partner wurde. Er stellte mir wiederum Julia vor, sie ist Fotografin und lebt in Stuttgart. Zu dritt machten wir mehrere Shootings, und hatten nicht nur richtig Spaß dabei, sondern auch einige kreative Ideen. Wir begannen unverbindlich zu brainstormen, aber schon bald wurden unsere Gedanken konkret. Aus meinem geplanten Herbsturlaub in Marokko wurde kurzerhand der Plan zu einem einwöchigen Shooting-Workshop in Südwesteuropa.

Lissabon, 16:45 Uhr, wir verlassen das Flugzeug. Wir, das sind außer Philipp und mir Fabian, Susanne und Lena, drei Videografen, die sich auf unsere Ausschreibung gemeldet hatten, Visagistin Tanja, die Farbe und Kontur in unsere Shootings bringen sollte, und Martha, ebenfalls Fotografin aus Wien. Am Flughafen würden gleich noch Julia und mein Cousin Adnan, ein Schweizer Hobbysportfotograf, dazustoßen. Kurz vor 18 Uhr sind wir nicht nur als Produktionsteam komplett, sondern auch bestens gelaunt und bereit für unser Abenteuer.

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„Im Gepäck: 10 Kameras, 3 Drohnen und mehrere Koffer voll mit Outfits und Accessoires, um ausreichend Abwechslung vor die Linsen zu bringen.”

 

Von der portugiesischen Hauptstadt aus fuhren wir mit zwei Mietautos nach Albu Feira. Im Gepäck: 10 Kameras, 3 Drohnen und mehrere Koffer voll mit Outfits und Accessoires, um ausreichend Abwechslung vor die Linsen zu bringen.

Die ersten zwei Tage widmeten wir dem gegenseitigen Kennenlernen bei gemeinsamen Ausflügen. Zu entdecken gab es genug, wir mussten nur die Küste entlangfahren und gelangten so von einer paradiesischen Szenerie zur nächsten. Nicht nur die Landschaft, auch Mannschaft war beeindruckend: Die Chemie stimmte sofort, als ob es das natürlichste der Welt war, dass ein zusammengewürfeltes, kaum bekanntes Team einfach so harmonierte. Zweifelsohne haben auch die spätherbstlich-warmen Temperaturen, die maritime Stimmung und die portugiesische Mentalität, die von Unaufgeregtheit und Lockerheit geprägt ist, ihren Teil beigetragen. So konnte uns auch eine kaputte Hauptwasserleitung nicht aus dem Konzept bringen, die zwei Tage ohne Fließwasser zur Folge hatte (zugegeben, in einer Villa direkt am Strand und mit Privatpool finden sich für alle Bedürfnisse Alternativkonzepte).

 

Am Tag 3 starteten wir mit der Produktion des Contents, also von Fotos und Videos. In zwei Teams geteilt verbrachten wir ungefähr 9 Stunden pro Tag hinter den Kameras. Vor der Kamera waren übrigens vorwiegend Models, die wir über eine Agentur vor Ort organisiert hatten. Wir fotografierten und filmten uns aber auch gegenseitig, weil es uns ein Anliegen war, den Produktionsprozess und Stimmungen zu dokumentieren.

Eine besondere Erwähnung wert ist noch Charlotte, eine Holländerin, die spontan für uns posierte. Sie ist Surferin, hat als solche schon bei Olympischen Spielen teilgenommen und uns am Brett und im Meer mehrere hervorragende und ausdrucksstarke Szenen und Motive beschert.

 

Was bleibt von der „Content-Villa“, wie wir sie sehr rasch getauft und immer wieder skandiert hatten? Zunächst klarerweise der Content. Etwa 18.000 Bilder entstanden in 5 Tagen Shootings, und ungefähr 20 Stunden Bewegtbildmaterial. Vielleicht wären es noch mehr geworden, wenn wir ausreichend große Speichermedien finden und erwerben hätten können – da wir in den lokalen Shops aber lediglich Festplatten mit maximal 250 GB Volumen fanden, waren manche von uns mehr mit Evaluieren und Löschen beschäftigt als gedacht. Zu vielfältig, zu gut und zu zahlreich waren die Eindrücke, die wir festhalten wollten.

Einige von meinen Bildern habe ich an Magazine geschickt, die eine oder anderen Fotostrecke wurde bereits abgedruckt.

 

Noch wertvoller als die zahlreichen bewegten und unbewegten Bilder sind aber die Freundschaften, Stimmungen und Erfahrungen, die wir alle mit nach Hause genommen haben. Jeder hat dazugelernt, und das in einem Urlaubssetting. Ich selbst habe mich organisatorisch sehr akribisch auf die Woche im Süden Portugals vorbereitet: Ich habe Locations gecheckt, Outfits und Accessoires vorbereitet, meine Ausstattung optimiert. Dennoch kann man nie auf alles vorbereitet sein. Eine Erkenntnis, die ich mitgenommen habe, ist es, Dinge geschehen zu lassen. Nicht alles kann und muss geplant werden, um am Ende doch gut zu werden. Möglich war das aufgrund der Offenheit und des Teamspirit der Crew. Jeder hatte seine Skills, alle leisteten ihren Beitrag.

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Jeder hatte seine Skills, alle leisteten ihren Beitrag!

 

Mein Fazit

„Content“ steht am Ende also nicht nur für die vielen Fotos und Videos, die wir gemeinsam produziert haben, sondern auch für die Zufriedenheit, mit der wir von dieser Reise zurückkamen.

Ich habe in der Content-Villa meinen Traum gelebt, und bin als anderer Mensch zurückgekommen.

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